Kessy´s  Brief an ihr Herrchen

Mein geliebtes Herrchen,

schon seit Wochen, ja sogar Monaten vermisse ich Dich so sehr. Du bist ins Krankenhaus gegangen, Dein Herz hat Dir zu schaffen gemacht. Wir konnten nicht mehr unsere geliebten Runden drehen, es hat dich zu sehr angestrengt. Frauchen beruhigte mich immer und sagte, dass Du bald wieder Heim kommst. Jeden Tag wartete ich auf Dich. Meine Platz in der Diele, auf Deinen Schuhen, wurde von mir bewacht. Ich wollte nicht mit ins Wohnzimmer, denn Du könntest doch kommen.

Es verging die Zeit, aber kein Herrchen kam. Ich war ganz artig und durfte mit dem Auto mitfahren, wenn Frauchen Dich im Krankenhaus besuchte, ich wartete geduldig auf ihre Rückkehr. Ich schnupperte natürlich aufgeregt an ihrem Mantel, den Dein Geruch war nach jedem Besuch das Herrlichste für mich.

In der Zwischenzeit hatte ich viele Fans von mir kennengelernt, die mit mir jeden Tag spazieren gegangen sind. Aber wo bleibst Du?????

In der letzten Zeit, habe ich aber dann gemerkt, dass Frauchen immer trauriger wurde und ab und zu weinte. Ich kuschelte mich ganz doll an sie hin zum Trösten. Nun musste ich mich doch um sie kümmern und verließ schweren Herzens meinen geliebten Platz auf Deinen Schuhen.

Es sind Monate vergangen, der Sommer war da, der Herbst ist vorbei und nun kommt bald Weihnachten. Ich hörte dann immer was von, bald darf ich Herrchen besuchen. Frauchen nahm schon Deine Schuhe und Jacke mit. Es gehe Dir besser und dann kannst Du mit den Rollstuhl in den Garten und wir können uns endlich wieder sehen. Wir waren total glücklich.

Doch dann merkte ich letzten Freitag in der Früh, das Telefon klingelte sehr bald, dass Unruhe in unserem Heim herrschte, das Telefon klingelte ununterbrochen und Frauchen brach immer wieder in Tränen aus. Ich freute mich natürlich über die vielen Besucher, aber es war unheimlich, eine gewisse Stille machte mir Angst.

Ich spürte, das etwas nicht stimmte. Frauchen´s Mantel roch auch nicht mehr nach Dir. Und dann hörte ich wie besprochen wurde, dass ein Bild von mir in Deinen Sarg mit hinein gelegt werden soll. Du bist einfach von mir gegangen. Ohne ein Wort zu sagen. Das macht mich unheimlich traurig. Jetzt kurz vor Weihnachten.

Ich darf mit in die Forstwiese, denn Frauchen wurde von Bekannten eingeladen, über Weihnachten nicht alleine Zuhause zu sein. Mir geht es hier gut, ich kann mit den anderen Mädl´s spielen und toben.

Und Du, wie geht es Dir? Hast Du nun keine Schmerzen mehr, kannst in Frieden schlafen? Wenn ich das wüsste! Vielleicht war es ein Weihnachtsgeschenk von unserem lieben Gott, Dich ein paar Tage vor Weihnachten von Deinem Leiden zu erlösen. Das wäre auch dann mein Wunsch gewesen.

In aller Liebe                                                                                                                               Deine Kessy                                                                              München 19. Dezember 2008